Weinbauland Argentinien

Die Weinbautradition reicht in Argentinien bis ins 16. Jahrhundert zurück. 1556 brachten Missionare und Priester aus Spanien erste Traubenschösslinge nach Südamerika und sorgten dafür, dass diese in Mendoza heimisch wurden. Diese bescheidenen Anfänge führten dazu, dass Argentinien heute zu den führenden Weinproduzenten der Welt zählt.

Mit der Einwanderungswelle in den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts erreichte viel fundiertes Fachwissen aus Europa das Land. Winzer aus Ländern der so genannten Alten Welt, vor allem aus Spanien und Italien, brachten neben ihrer Erfahrung auch Reben mit ins Land. So verfügt Argentinien heute über eine absolut ungewöhnliche Vielfalt an Rebsorten für einen „Neue Welt“-Produzenten.

Bis Mitte der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts lag der jährliche Pro-Kopf-Konsum Argentiniens bei 90 Liter (heute 30 Liter). Es wurde ausschliesslich billiger Tafelwein für den Inlandmarkt produziert, der selbstverständlicher Bestandteil der argentinischen Küche war und vorzugsweise mit Soda und Eis verdünnt wurde. Die damalige Produktion war nahezu 7mal höher als heute und die Anbaufläche doppelt so gross. Ein verändertes Konsumverhalten (Süssgetränke, Bier) führte zu einem dramatischen Einbruch des Inlandverbrauchs. In der Produktion wurde nun vermehrt auf Qualität gesetzt und erste weltweite Exporte wurden getätigt. Die grosse Wirtschaftskrise Ende 2001 war ein Segen für den kriselnden argentinischen Weinbau. Ausländische Investoren brachten nicht nur harte Devisen ins Land, sondern auch internationales Fachwissen.

Argentinien ist heute hinter Italien, Frankreich, Spanien, den USA und China der sechstgrösste Weinproduzent weltweit. Die argentinische Weinproduktion liegt damit innerhalb der südamerikanischen Rangliste noch vor dem in Europa bekannteren Weinbauland Chile auf Platz eins. Jährlich werden rund 16 Mio Hektoliter Wein (Schweiz: 1 Mio hl) produziert, wovon circa 30% für den Export bestimmt sind (neuntgrösster Exporteur weltweit). Auf einer Fläche von 218‘000 Hektaren (Schweiz: 15‘000 ha) wird landesweit Weinanbau betrieben (76% Rotweine, 24% Weissweine). Dies entspricht in etwa der Gesamtfläche der Kantone Zürich, Schaffhausen und Zug.

Mendoza

Mendoza ist die Hauptstadt der gleichnamigen argentinischen Provinz im zentralen Westen Argentiniens am Fusse der Anden, die mit dem nahe gelegenen Aconcagua (6962 m) die höchste Erhebung der westlichen Hemisphäre aufweisen. Die Stadt zählt mitsamt ihren Vororten gut 1 Million Einwohner. Die Stadt Mendoza liegt auf 700 m.ü.M. Die Weinbauregion erstreckt sich bis in die Vor-Anden und erreicht dort Höhen bis zu 1‘300 m.ü.M. Die Landschaft ist eine karge Trockensteppe, die aber in der unmittelbaren Umgebung der Stadt bewässert wird, so dass Weinbau möglich wird. Das Klima ist trocken, sonnig und von den Temperaturen her gemässigt. Heute ist Mendoza eine moderne, geschmackvoll urbanisierte Oasenmetropole, alle Grünflächen werden künstlich bewässert.

Der Weinbau ist in der Region Mendoza ist die zweitwichtigste Industrie. Knapp drei Viertel der argentinischen Weine werden in dieser Region produziert. Der Erfolg beruht auf den über 300 Sonnentagen im Jahr und den überaus mineralhaltigen Böden. Ein zweiter ganz entscheidender Einfluss begründet sich aus der geographischen Lage: Der Schutzwall der Anden sorgt für das Ausregnen der feuchten, pazifischen Luftmassen am Westrand und für ein kontinentales Halbwüstenklima der Region, welches Rebstöcken und Trauben sehr entgegen kommt. Hohe Temperaturunterschiede sowohl im Verlauf des Jahres wie auch zwischen Tag und Nacht sind ein weiteres Charakteristikum dieses Anbaugebietes. Sie sorgen für ein gesundes Wachstum der Rebstöcke, besonders für die Bildung der Aromen.

Das ausgeklügelte Bewässerungssystem der trockenen, aber äusserst fruchtbaren Böden ist einer der Erfolgsfaktoren des Weinbaus in Mendoza. Den Inka ist es zu verdanken, dass trotz dem regenarmen Klima der Region (250 mm/Jahr) der Boden der Steppen nutzbar gemacht wurde. Zu diesen Zwecken wurden die Wasserläufe der nahen Flüsse in das System eingebunden. Heute sorgen künstlich angelegte Stauseen in der Umgebung dafür, dass die Region ganzjährig mit genügend Wasser aus den Anden versorgt werden kann.

Nachdem die Eisenbahn 1885 Mendoza mit der Hauptstadt Buenos Aires verband, setzte ein regelrechter Weinboom ein. Mehrere grosse Kellereien wurden damals in Mendoza gegründet. Die Weine hiessen unabhängig von der Rebsorte, aus der sie gekeltert wurden, Chablis oder Bordeaux. Auch die seit Jahren dominierende Sorte Malbec wurde damals schon angebaut. Heute sind mehr als 2000 Bodegas hier ansässig.

Die Region Mendoza, auch Tierra Malbec genannt, ist eine der zehn Weinhauptstädte, welche im Great Wine Capitals Global Network (GWC) zusammen geschlossen sind.

San Juan

San Juan ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz im Westen von Argentinien rund 150 Kilometer nördlich von Mendoza. Sie ist in bester Erinnerung als dreifacher Ausrichter von Rollhockey-Weltmeisterschaften mit Schweizer Beteiligung. Mit gut einem Fünftel der gesamten Anbaufläche ist San Juan nach Mendoza die zweitgrösste Weinbauregion Argentiniens. Im Allgemeinen gilt San Juan nach wie vor als Lieferant günstiger, ertragsstarker Landweine für den lokalen Markt. Ausserdem spielt der Ausbau von Tafeltrauben und die Produktion von Rosinen eine wichtige Rolle. In der jüngsten Vergangenheit haben jedoch einige Weinkellereien das Potential zur Erzeugung von Qualitätsweinen entdeckt und dank modernster Kellertechnik den Weg in die nahe Zukunft geebnet.

Salta

Die Weinberge Saltas befinden sich im Hochtal Cafayate auf einer Höhe von 1‘500 m.ü.M und ziehen sich bis auf knapp 3‘000 m.ü.M. hinauf. Die Region produziert nur etwa 2% des argentinischen Volumens. Dank den weltweit höchstgelegensten Weinbaugebieten, dem einzigartigen Torrontés (Argentiniens Aushängeschild punkto Weisswein) und der aussergewöhnlichen Qualität seiner Weine hat diese Region in den letzten Jahren an grosser Bekanntheit gewonnen. Nicht zuletzt dank dem Berner Unternehmer Donald Hess, der in Cafayate sein Weingut Colomé betreibt.

La Rioja

La Rioja ist eine Stadt im Nordwesten Argentiniens und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die Region produziert knapp 4% des argentinischen Volumens. Die Anbauhöhe liegt bei durchschnittlich 1‘100 m.ü.M., wodurch die Trauben einen besonders hohen Zuckergehalt erreichen und wenig Säuren beinhalten. In La Rioja werden hauptsächlich weisse Trauben gepflanzt. Diesen aromatischen Sorten kommen die guten Lichtverhältnisse, die Temperaturunterschiede von ungefähr 15°C zwischen Tag und Nacht, sowie die geringen Niederschlagsmengen zugute.